Das Pflänzchen wächst im Landkreis

06.07.19


Florian Questel hat vorgemacht, wie es geht: Erst einen Ortsverband gründen, wenn auch nur mit vier Mitgliedern, und wenig später die Bürgermeisterwahl gewinnen. Seit Februar ist der 38-Jährige im Ahorntal erster grüner Rathauschef im Landkreis. Eine Persönlichkeitswahl, sicher. Aber Questel sagt auch: „Es gibt einen Bundestrend zugunsten der Grünen, weil viele Menschen erkannt haben, dass es Veränderung braucht. Und das gilt nicht nur die Jungen, die an „Fridays-for-Future-Demos" teilnehmen, sondern auch für viele Ältere.“

In drei Gemeinderäten

Seit die Grünen bei der Europawahl bundesweit mehr als 20 Prozent eingefahren haben und in Umfragen sogar zur stärksten Partei wurden, gibt es einen regelrechten Hype um die Partei. Im Landkreis Bayreuth hatte sie bisher keine große Rolle gespielt. Vertreten seien die Grünen derzeit in drei Gemeinderäten, sagt Kreisvorsitzende Susanne Bauer.

Die Mitgliederzahlen steigen

Aber das zarte Pflänzchen scheint zu gedeihen. Bei der Bundestagswahl kamen die Grünen 2017 im Kreis Bayreuth noch auf gut sechs Prozent, ein Jahr später waren es bei der Landtagswahl schon gut elf Prozent und bei der Europawahl in diesem Jahr standen 13,6 Prozent zu Buche. Die Mitgliederzahlen sind zwar immer noch auf bescheidenem Niveau im Vergleich zur großen CSU-Konkurrenz, immerhin stiegen sie aber von 48 zum Jahresende 2017 auf jetzt 73.

Neue Ortsvereine

Und nach Pegnitz, Creußen und dem derzeit „schlummernden" Ortsverein Speichersdorf wurden und werden neue  Ortsvereine gegründet: in Ahorntal, Eckersdorf, am 19. Juli in  Heinersreuth. Schnuppertreffen zur Vorbereitung einer Ortsvereinsgründung gibt es am 14. Juli in Mistelgau und einen Tag später in Bad Berneck. „Dorthin kann jeder kommen und prüfen, ob seine eigenen Vorstellungen mit denen der Grünen in Einklang zu bringen sind“, sagt Bauer. „Die Menschen merken, dass wir nicht schlimm sind“, erklärt Questel den Zulauf in der Region.

"Es muss sich was ändern"

Initiator des Treffens in Bad Berneck ist Finn Regenhold. Den 22-jährigen selbstständigen Videoproduzenten, der in Bad Berneck aufgewachsen ist, bewegen nicht nur die großen Themen Klimaschutz, Menschenrechte, Gleichberechtigung, sondern auch konkrete Probleme vor Ort: das gerade vom Stadtrat auf Druck von oben beschlossene Sparkonzept,  der verbesserungsfähige öffentliche Nahverkehr, die vielen Leerstände in der Stadt, die nach seiner Ansicht auch von der expandierenden Uni Bayreuth gut genutzt werden könnten. Zu wenig Wertschätzung werde von der Stadt denen entgegengebracht, die was tun wollen, kritisiert Regenhold und sagt: „Es muss sich was ändern, sonst ist Bad Berneck in zehn Jahren tot.“  Die Stadt habe viel Potential. Ideen, wie dieses Potenzial genutzt werden könnte, sollen bei den Schnuppertreffen entwickelt werden.

Die Zeit drängt

Die Zeit ist knapp: Wenn die Grünen in Bad Berneck und anderen Gemeinden im März 2020 zur Kommunalwahl antreten wollen, müssten im Herbst die Wahllisten stehen, sagt Bauer. Sie steht, bei aller Freude über das Erstarken der Grünen in ihrem Kreisverband, vor einer „Herausforderung“: genügend Kandidaten für die Gemeinderats- und Kreistagsliste zu finden. Und getreu den Statuten: vor allem genügend Frauen. Neumitglieder müsse man zunächst einmal kennenlernen, ehe sie kandidieren.

Qualität vor Quantität

Nicht jeder wolle gewählt werden, sagt die Kreisvorsitzende. Wer die Wahlliste nicht vollbekommt, verschenkt am Ende Stimmen. Aber „Qualität geht bei der Kandidatensuche aber vor Quantität“, sagt Questel. Auch wenn nicht alle Listen voll würden: Dass die Grünen überall dort, wo sie bei der Kommunalwahl antreten,  in die Gemeinderäte gewählt werden, hält er für „realistisch“. Nach dem Ahorntal gibt es auch in Pegnitz mit Stadträtin Sandra Huber eine Grünen-Bewerbung um das Bürgermeisteramt.

Zwei Interessenten für die Landratskandidatur

Beim Thema Landratswahl halten sich die Grünen noch bedeckt. Namen nennt Susanne Bauer ebenso wie die anderen Parteien noch nicht. Nur so viel: Zwei Interessenten gebe es bei den Grünen. Und damit auf jeden Fall einen grünen Kandidaten – erstmals im Landkreis Bayreuth.

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