30.01.2020

Fairer Handel und regionale Bioprodukte retten nicht die Welt, aber es ist ein guter Anfang“

Florian Blank, Dr. Sandra Huber, MdL Tim Pargent, Dr. Andreas von Heßberg, Lisa Wellisch, Andreas Endl, MdB Uwe Kekeritz. Foto: privat

Wenn wir bei uns vor Ort unseren Konsum stärker nach ökologischen und sozialen Kriterien ausrichten würden, kann sich die Situation in den sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländern sehr viel mehr verbessern, als es einseitige Zahlungen im Rahmen der Entwicklungshilfe vermögen.

So ging es bei seinem Vortrag konkret um die Umgestaltung unserer Heimatorte hin zu fairen Städten und Gemeinden. „Global Denken – lokal handeln“, dies erklärt in einer einfachen Schlagformel die Idee der Fairen Kommune. In einer globalen Welt sind viele lokale Faktoren in die weltweiten Güter- und Handelsströme integriert. Daher kann unser lokales Konsumverhalten nicht mehr von den globalen Entwicklungen in Bezug auf Handel, Natur, Wirtschaft, Soziales und Politik losgelöst betrachtet werden.

Wir üben durch unser Verhalten mittel- und unmittelbaren Einfluss auf die genannten Bereiche weltweit aus. Die Auswirkungen fairer Preise auf Güter des täglichen Bedarfs, wie z.B. Kaffee, sind preislich für uns tendenziell weniger spürbar, bewirken aber bei den Erzeugern in Schwellen- und Entwicklungsländern deutlich existentielle Verbesserungen. Unser Wirtschaftssystem bietet bis auf gesetzgeberische Freiwilligkeit bislang keinen hinreichend konkreten Lösungsansatz. Auch der Vorstoß der EU durch die EU-Richtlinie 2014/24/EU vom 18. April 2014 starke politische Leitplanken vorzugeben, wurde durch juristische Spitzfindigkeiten in Deutschland ausgehebelt, denn bei uns ist die Verankerung umweltbezogener und sozialer Kriterien in öffentlichen Ausschreibungen und Vergabeverfahren erlaubt, aber leider nicht verpflichtend. Das Potenzial zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit haben die bisherigen Bundesregierungen bislang verspielt, denn die öffentliche Hand investiert pro Jahr schätzungsweise zwischen 250 und 480 Milliarden Euro in Güter und Dienstleistungen, die eben nicht fair beschafft werden.

 

Wenn Bund und Land es versäumen, dann müssen eben die Kommunen aktiv werden. Die Antwort liegt mithin also in der Stärkung der Regionalität, was auch ökonomisch und ökologisch sinnvoll und nachhaltig ist. In der anschließenden Podiumsdiskussion stellten sich die Podiumsteilnehmer den interessierten Fragen der Besucher. So gab Dr. Sandra Huber, Grüne Bürgermeisterkandidatin aus Pegnitz und Sprecherin der Steuerungsgruppe „Fair Trade“ im Landkreis Bayreuth sowie Fair Trade Town Pegnitz gute Tipps bei der operativen Umsetzung in der Gemeinde Eckersdorf.

Hohes Interesse bestand auch an der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) von Florian Blank, der einen SoLaWi-Betrieb in Stein bei Busbach betreibt. Das Besondere ist bei dieser speziellen landwirtschaftlichen Organisationsform, dass lokale Verbraucher mit einem lokalen Partner-Landwirt kooperieren und so Einfluss und Einblick in die lokale Produktion erhalten. Dafür geben die Verbraucher Abnahmegarantien und beteiligen sich monetär am solidarischen, landwirtschaftlichen Betrieb.

Auf die besondere Verantwortung der Konsumenten am globalen wirtschaftlichen Geschehen verwies Landratskandidat Dr. Andreas von Heßberg und berichtete dabei über eklatante Verletzungen von Menschenrechten in China. Alles weit weg, aber bei der Betrachtung von Beschaffungsströmen aus China wird eins deutlich: wir kaufen letztlich viele Waren und Dienstleistungen aus dem Reich der Mitte ein, ohne zu fragen, unter welchen unsozialen und ausbeuterischen Rahmenbedingungen diese hergestellt werden.

Was wäre also zu tun? Einen Ansatz zeigen Lisa Wellisch, Andreas Endl und Uwe Koch vom Vorstand des grünen Ortsverbandes Eckersdorf auf: nach dem Einzug in den Gemeinderat werden wir als Grüne einen fraktionsübergreifenden Ratsbeschluss zur Etablierung einer Steuerungsgruppe und für die „Fairtrade-Gemeinde“ Eckersdorf herbeiführen. Dass ein parteiübergreifendes Interesse besteht, zeigt auch die Anwesenheit anderer Parteien und die von der Eckersdorfer Bürgermeisterin Sybille Pichl. Nur gemeinsam lassen sich solche wichtigen soziale und ökologische Zukunftsprojekte umsetzen, denn wir wollen, dass alle unsere Gemeinden nachhaltiger werden – weil wir hier leben!

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