Kleiner Schritt zur Weltoffenheit

Um sich mit dem Titel "Fair trade town" schmücken zu können, muss eine Kommune fünf Kriterien erfüllen, die ihr Engagement für fairen Handel auf allen Ebenen widerspiegeln, erläuterte König-Zeußel, der zunächst das Schreckensszenario malte: Selbstmorde indischer Bauern, Kinder als Sklavenarbeiter und damit auch eine Ursache für die Flüchtlingsproblematik. Weit über 400 Städte in Deutschland gebe es bereits, die sich dem weltweiten fairen Handel verpflichtet fühlen. Und auch für Creußen seien die Kriterien leicht zu schaffen. Im wesentlichen seien dies die Schaffung einer Steuerungsgruppe, der Nachweis von fair gehandelten Produkten in Handel, Gastronomie und in öffentlichen Einrichtungen und Medienpräsenz.

König-Zeußel macht seinen Stadtratskollegen Mut: "In einem Einkaufsmarkt habe ich bereits vier fair gehandelte Produkte gefunden." Den eingekauften Kaffee spendet König-Zeußel auch gleich der Verwaltung. Bedenken äußert Egbert Wölfel, CSU. Die Zertifizierung sei mit nicht unerheblichem Aufwand verbunden. Er sehe die Thematik eher auf Kreisebene angesiedelt. "Dort gibt es ein Regionalmanagement, dort kann das Thema zielbringender und effektiver vorangebracht werden." Auch Harald Busch, Creußener Liste, spricht zunächst von einem "schönen Ziel." Doch man sollte sich eher regionalen Themen widmen. Für Erwin Morba, ÜWG/FW, stellt sich die Frage, wer da mitmacht und Toni Schmidt, Creußener Liste, sieht lokale Projekte, wie etwa Apfelgrips vorrangig. Und dann die Frage, was es bringe, sich mit noch einem Titel zu schmücken. Lediglich Bernhard Ohlraun, ÜWG/FW, plädiert von Anfang an für den Antrag: "Mit relativ kleinem Aufwand können wir hier etwas erreichen." König-Zeußel verdeutlicht zunächst, dass sich fairer Handel und Regionalität nicht ausschließen, schließlich gehe es hier um Produkte wie Kaffee, Kakao, Bananen oder Tee, alles Dinge, die nicht hier angebaut werden. Und dann passiere ja schon viel in Creußen. Entsprechende Produkte werden angeboten, für die Steuerungsgruppe habe er bereits Mitstreiter gefunden, die evangelische Kirche schenke bei Veranstaltungen bereits fair gehandelten Kaffee aus, und, und, und. "Es auf eine höhere Ebene abschieben zu wollen, finde ich feige."

Egbert Wölfel, CSU,  und Thomas Kolb, SPD, appellieren noch einmal, eine konzertierte Aktion auf Kreisebene anzustoßen. Wölfel: "Das Thema ist sehr bedeutsam. Da müssen wir über 20 Becher Kaffee hinaus denken." Und so kommt es an diesem Abend zu zwei Beschlüssen: Der Weg der Bewerbung wird umgekehrt. Bürgermeister Martin Dannhäußer sah noch einige Unklarheiten, wie etwa die Beteiligung der Geschäfte. Erst wenn die Steuerungsgruppe für eine Fair Trade Town mit der Partnersuche erfolgreich ist, soll sich Creußen um den Titel bewerben. Zum anderen stellt die Stadt den Antrag an den Landkreis, hier tätig zu werden.    

Nordbayerischer Kurier  v. 13.04.2016         

 



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